Erblich bedingter Haarausfall

Androgenetische Alopezie bei Mann und Frau
Beim erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) werden die Haarfollikel, über die die Haare in der Kopfhaut verankert sind, geschädigt. Sie reagieren aufgrund einer vererbten Überempfindlichkeit sehr sensibel auf das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Die Haarwachstumsphase verkürzt sich deutlich. Erblich bedingter Haarausfall bei Männern zeigt sich zuerst durch sogenannte Geheimratsecken und setzt sich häufig mit kahlen Stellen am Oberkopf fort. Bei betroffenen Frauen lichtet sich das Haar in der Regel entlang des Scheitels.
 
 
Verlauf des erblich bedingten Haarausfalls
Die androgenetische Alopezie ist abhängig von männlichen Androgen-Hormonen. Erste Anzeichen dieser genetischen Veranlagung zeigen sich nach der Pubertät zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Zunächst zieht sich das Haar entlang der Stirnlinie zurück, dann schreitet der Verlauf mit immer dünner werdendem Haar am Oberkopf fort. Bei einigen Männern weitet sich die Kahlheit über den ganzen Kopf aus. An den Schläfen und im Nacken behalten jedoch viele Betroffene ihr Haar.
In seltenen Fällen verlieren allerdings auch Frauen erblich bedingt Haare. Bei Frauen wie bei Männern, die unter anlagebedingten Haarausfall leiden, zeigt sich jedoch meist kein erhöhter Testosteron-Spiegel. Entscheidend für den Haarausfall ist vielmehr, dass die Haarwurzel besonders empfindlich auf das Steroidhormon Dihydrotestosteron (DHT) reagiert.
 
Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren
Bei der androgenetischen Alopezie spielen demnach drei Faktoren eine große Rolle:
 
1. Das Alter
So wie die Widerstandskraft des Organismus im Alter allgemein abnimmt, reduziert sich mit den Jahren auch die Widerstandsfähigkeit des Haares. Wer eine genetische Veranlagung dazu hat, verliert im Alter auch zunehmend sein Haar. Dabei handelt es sich genaugenommen nicht um Haarausfall, sondern um nachlassenden Neuwuchs der Haare. Bei Frauen ebenso wie bei Männern lässt die Produktion der körpereigenen Wachtumsfaktoren wie IGF-1 (insulin like growth factor), KGF (keratinocyte growth factor) und VEGF (vascular endothelial growth factor) im Alter nach. Ausfallende Haare wachsen aufgrund fehlender Wachstumsstimulation nicht mehr nach.
 
2. Die Hormone
Als Botenstoffe im Körper nehmen Hormone zahlreiche Aufgaben wahr. Sie beeinflussen die Dauer des Haarzyklus und die Teilungsaktivität der Haarfollikel.
 
Bereits ab dem 20. Lebensjahr sinkt die Produktion des Wachstumshormons HGH. Alle zehn Jahre reduziert sich die Produktion um weitere 14 Prozent. Reduziert sich die Ausschüttung von Wachstumshormonen, verringert sich entsprechend auch die Struktur und Dichte des nachwachsenden Haares.
 
Bei Frauen tritt altersbedingter Haarausfall in der Regel erst nach der Menopause auf. Die Produktion weiblicher Sexualhormone reduziert sich und die Haarfollikel-schädigende Wirkung des Dihydrotestosteron kann in den Vordergrund treten. Daher können Frauen nach der Menopause ebenso von hormonellem Haarausfall betroffen sein wie Männer. Die vormals gesunden Haare wirken dünn und kraftlos.
 
Wer an erblich bedingtem Haarausfall - egal, ob Mann oder Frau - leidet, hat die Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem Hormon DHT (Dihydrotestosteron) geerbt, das durch einen körpereigenen chemischen Prozess aus dem männlichen Sexualhormon Testosteron gebildet wird.
 
3. Das Enzym 5-Alpha-Reduktase
Das männliche Sexualhormon Testosteron wird durch das Enzym 5-Alpha-Reduktase in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Auf DHT wiederum reagieren die Haarfollikel von Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall äußerst sensibel. DHT schädigt und schwächt die Haarwurzeln. Das Enzym 5-Alpha-Reduktase existiert in zwei Typen:
als 5-Alpha-Reduktase I (5AR1) nur im vorderen Teil der Kopfhaut
als 5-Alpha-Reduktase II (5AR2) in der gesamten Kopfhaut
Wird Haarausfall durch DHT nicht behandelt, schrumpfen die Haarwurzeln immer mehr zusammen. Dadurch verändern die Haare ihre Struktur: Statt des vormals kräftigen, voll pigmentierten Haares (Terminalhaar) wachsen lediglich flaumige, dünne, farblose Haare (Vellushaar) nach. Unter dem Mikroskop zeigt sich deutlich, wie sich die Wurzeln zu einem Überbleibsel der Zellenhülle zurückbilden.
Bei Menschen mit einer vererbten Überempfindlichkeit gegen DHT verkürzt sich die Phase des Haarwachstums (Anagenphase) und damit reduziert sich auch die maximal erreichbare Länge des Haares. Ein glatzköpfiger Mann hat zwar nicht weniger Haarfollikel als ein Mann mit vollem Haarwuchs, durch die verkürzte Wachstumsphase sind die Haare jedoch kaum noch sichtbar. Die Kopfhaut am Hinterkopf und im Nackenbereich ist in der Regel unempfindlicher gegen DHT. Deshalb eignen sich diese z.B. auch für Haartransplantationen in Folge von erblich bedingtem Haarausfall.